Rektor Theodor Helten Heisterbacherrott

Geboren am 09.04.1897 in Köln Ehrenfeld Theologiestudium in Bonn und Köln.
Zum Priester geweiht am 10.08.1923
Kaplan in Remscheid: 1923 - 1924
Morsbach: 1924 - 1928
Meckenheim: 1928 - 1931

Zum Rektor in Heisterbacherrott ernannt am 23.03.1931 Durch Gestapo Bochum hier verhaftet im April 1937. Verstorben am 18.05.1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen.
Zu seiner Zeit: 1931-1937 Einführung der Mittwochs-Pilgerandacht,
Wiederherstellung der Nikolauskapelle.


Wer war Rektor Theodor Helten ?

Im Jahr 2001 durchlief eine Bild-Schrifttafelausstellung das Erzbistum Köln mit dem Titel “Martyrer des Erzbistums Köln im 20. Jahrhundert”. Aus Anlass des Heiligen Jahres widmete sich diese Ausstellung 31 Personen aus dem Erzbistum Köln, die in der Zeit des Nationalsozialismus für ihren Glauben eingetreten und dadurch in den verschiedenen KZ umgekommen sind. Zusammengestellt ist diese Ausstellung im Auftrage der Deutschen Bischofskonferenz von Prälat Dr. Helmut Moll.

Bestimmt sind in dieser Zeit zwischen 1933 bis 1945 mehr als diese 31 Personen aus dem Erzbistum für irgendeine Sache im christlichen Sinne in den Konzentrationslagern hingerichtet worden. Diese 6 Priester, 3 Ordensleute und 22 Laien stehen als Einzelschicksale stellvertretend für alle, die unbekannt geblieben sind. Einer von diesen 31 “Martyrern“ ist Theodor Helten. Wer ist dieser Theodor Helten und welche Beziehung besteht nach hier, sodass in Heisterbacherrott im Neubaugebiet am Fronhof eine Straße nach ihm benannt ist?

Vielen ist der Name nicht unbekannt. Rektor Theodor Helten, geboren am 09.04.1897, stammte aus Köln Ehrenfeld Görresstraße 8. Seine Heimatpfarre war St. Joseph in Köln Ehrenfeld. Nach einem dreijährigen Theologiestudium an der Universität in Bonn und einem Jahr im Kölner Priesterseminar an der Marzellenstraße in Köln erhielt der als zurückhaltend geschilderte Helten am 10. August 1923 durch Kardinal Joseph Schulte im Dom zu Köln die Priesterweihe. Nach seiner Berufung als Kaplan in Nievenheim Dekanat Zons (1923-1924) war er aber überwiegend in Remscheid tätig, später dann in Morsbach an der Sieg (1924 – 1928) und in Meckenheim (1928 -1931).  Am 23.03.1931 kam er als Rektoratspfarrer hier nach Heisterbacherrott, wo er am 29. April 1937 zuerst ohne Begründung verhaftet wurde. Außer seinen normalen seelsorgerischen Tätigkeiten setzte er sich zur weiteren Entwicklung der hiesigen Wallfahrt ein, auch noch in der Zeit, als durch das Naziregime Wallfahrten mit Argwohn beobachtet wurden. Die Verehrung des hl. Judas Thaddäus und die damit verbundene Wallfahrt sind durch ihn weit über die Grenzen bekannt geworden. Auch setzte er sich für die Instandsetzung der Nikolauskapelle ein und rettete sie dadurch vor dem Verfall, wenn nicht sogar vor dem Abbruch. Sie war von dem damaligen Besitzer des Fronhofes in einen ausgeschlachteten und verwahrlosten Zustand gebracht worden.

Heute ist nicht mehr nachvollziehbar, ob er durch Elternhaus, Schule, durch den Pfarrer seiner Heimatpfarre oder durch Schlüsselerlebnisse so geprägt wurde, dass sich schon sehr früh seine Neigung zur Glaubens- und Menschenführung offenbarte. Dies zeigt sich darin, dass er sich in seiner seelsorgerischen Tätigkeit besonders für Ärmere und Schwächere einsetzte. Aus den späteren Verhören von Zeugen durch die Gestapo, die alle zu seinen Gunsten aussagten, geht hervor, dass er schon als Kaplan Jugendlichen Einzelunterricht im Lesen und Schreiben erteilte. Später als Pfarrgeistlicher nahm er sogar von minderbemittelten oder sozialschwachen Eltern Kinder zur Pflege in seinen Haushalt auf und erteilte ihnen hier weiteren Einzelunterricht.
Wegen Wallfahrten und Festoktaven 1933 und 34, die offiziell zwar nicht verboten waren, geriet er durch Zuträger ins Blickfeld des NS - Regimes. Aus Anlass einer Predigt gegen den Einfluss des Nationalsozialismus 1937, hier von Kaplan Renk aus Oberpleis gehalten und von Helten unterstützt, wurde er zum willkommenen Opfer des NS-Regime.

Kaplan Renk war das Sprachrohr einer kleinen Widerstandsgruppe in Oberpleis.

Durch die von Goebbels 1935 und 1936 propagierten Pfaffenprozesse versuchte die Gestapo Köln und Dortmund, ihn mit allen Mitteln einzuschüchtern. Sie schreckten sogar nicht davor zurück, ihn der Geldunterschlagung und des Vergehens an Pensionsschülern zu bezichtigen, weshalb er dann im April 1937 verhaftet worden ist. Nach drei Tagen Haft im Amtsgefängnis Königswinter ist er dann auf Befehl der Gestapo zur Justizverwaltung nach Bonn in Schutzhaft überführt worden. Im Januar 1938 war alles für eine Hauptverhandlung vorbereitet. Da sich aber alle diese ungeheuren Vorwürfe und Anschuldigungen gegen ihn als unbegründet erwiesen hätten und mit einem Freispruch zu rechnen war, was nicht im Sinne der Gestapo gewesen wäre, wurde er nach 18 Monaten Schutzhaft am 14. Oktober 1938 entlassen. Ins gesamt waren es 4 Verfahren die gegen ihn angestrebt wurden, aber wie schon erwähnt alle unbegründet.

Für wenige Stunden kehrte er nach Heisterbacherrott zurück. Am anderen Morgen zelebrierte er noch in aller Stille eine hl. Messe, wonach er dann den Ort ungesehen verließ, da die NSDAP mit einem Demonstrationszug gegen ihn gedroht hatte. Um seinen festen Willen im Glauben als auch seine Einstellung zum damaligen Regime zu brechen, verfolgte ihn die Gestapo weiterhin. Mit aller Gewalt versuchte man, ihn gerichtlich zu belangen und so kam es am 20. Oktober 1939 zu einer Kurzverhandlung. Anschließende Gefängnisaufenthalte waren in Wittlich und Siegburg. Ein weiterer Ort seines qualvollen Weges war das Polizeigefängnis Köln, wo er im Anschluss mit anderen Gestapoopfern untergebracht wurde und vieles über sich hat ergehen lassen müssen, ehe man ihn im Mai 1942 nach Oranienburg bei Berlin ins Konzentrationslager Sachsenhausen brachte. Laut Sterbeurkunde verstarb er am 18. Mai 1942 um 5.15 Uhr.

Aus keinen Unterlagen geht hervor, dass er durch die dortigen Behandlungsmethoden zu Tode kam und sein Körper mit Wunden und Striemen überzogen war. Damit keine Todesspuren zu erkennen waren, ist sein Körper im Anschluss verbrannt worden. In seiner Heimatstadt Köln Ehrenfeld auf dem Friedhof Melaten wurde die Urne nach Zahlung einer Gebühr einer seiner Verwandten ausgehändigt.

Dem Wunsch Heltens entsprechend, nicht verbrannt zu werden, kam man in der Form nach, dass man seine Urne in einem Sarg am 6. Juli 1942 auf dem Westfriedhof im elterlichen Grab beisetzte.

Wie Pfarrer Theodor Helten gelten nach wie vor viele unter dem NS-Regime zu Unrecht verurteilte Priester als Staatsverbrecher. Vonseiten der katholischen Kirche, speziell vom Erzbistum Köln sind bisher noch keine Schritte unternommen worden, damit diese Urteile widerrufen werden.

Durch die Recherchen von Pater Clemens Otten vom Provinzialat der Herz-Jesu Priester konnte in etwa der "Leidensweg" von Pfarrer Theodor Helten nachvollzogen werden. Er suchte in mühevoller Kleinarbeit aus Archiven, Gerichtsakten und Verhören Unterlagen heraus, die in Beziehung der Verhaftung zu Pfarrer Helten stehen. Ein Teil dieser Unterlagen stellte er dann dem von ihm gegründeten Arbeitskreis „Helten“ zur Verfügung.

Diese Aufzeichnung soll ein klares Bild von Pfarrer Helten wiedergeben um damit zu mindestens auf diesem Wege zu seiner Rehabilitierung beitragen.

Bild von 1933
Text Winfried Görres: Fotograf: Atelier Schmidt Bonn
Zur Verfügung gestellt von Johannes Kurenbach


Galerie: Katholische Priester Heisterbacherrott.
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