Schriften zum virtuellen Museum

Festansprache zum 25-jährigen Schuljubiläum von Fritz Müller


fritz_muellerHerr Stangen,
liebe Kinder,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

25 Jahre Stenzelbergschule. Ist das ein Grund zu feiern? Ich meine ja, denn man kann es mit den Jahren nehmen wie mit den Haaren: 25 Haare auf dem Kopf ist nicht viel, aber 25 Jahre in unserer Schulgeschichte ist eine ganze Menge.

Erwarten Sie von mir keine Festansprache über die letzten 25 Jahre der Stenzelbergschule oder über aktuelle schulpolitische Themen. Ich möchte meine Ansprache eine Erzählung nennen, unter dem Titel „Von der katholischen Volksschule Heisterbacherrott zur Gemeinschaftsschule Heisterbacherrott-Thomasberg“.

Am besten kann ich das mit dem Beginn meiner Schulzeit ab 1940. Und wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere, so denke ich nicht nur an einen Klassenraum, in dem man schreiben, rechnen und lesen lernte - für mich ist es viel mehr. Die Schulzeit steht für mich in Verbindung mit Heimat, Elternhaus, Kirche, der Sprache und dem Leben für- und miteinander hier in Heisterbacherrott.

Bei unserer Einschulung gab es keine Schultüten mit Süßigkeiten. Es gab ein Paar selbst gestrickte Kniestrümpfe, einen Schulranzen, den ein älterer Schüler abgesetzt hatte und eine Schiefertafel mit Griffel. Von Fräulein Altmeier, die das 1. – 4. Schuljahr zu unterrichten hatte, wurden wir freundlich begrüßt. Das 4. - 8. Schuljahr - die sog. Oberklasse - wurde von Herrn Willnecker unterrichtet.
Der Vorteil einer 2-klassigen (-zügigen) Volksschule lag damals darin, dass man mit etwas Aufmerksamkeit mitbekommen konnte, was in dem über einem liegenden Schuljahr unterrichtet wurde.

Ab Mitte Mai 1940 hatte die eine Klasse morgens und die andere Klasse nachmittags Unterricht, weil bei Fliegeralarm nur eine Klasse in dem Luftschutzraum unter der Lehrerwohnung Platz fand.

Da alle Landarbeiter bereits eingezogen waren, wurden ab 1941 die Schulkinder für die Erntezeit eingesetzt wie „Knolle dönne, Erpel setze on lesse.“

Am 11.10.1941 fielen die ersten Bomben in Heisterbacherrott: im Gässchen Haus Münz, in die Schreinerei Kessler, im Englischen Garten und in die Landstraße vor dem kleinen Sälchen der Gaststätte Jägerhof.

Ab 1944 waren die Ernteeinsätze für die Schulkinder schon lebensgefährlich. Auf den Feldern waren Schützengräben ausgehoben, in denen man sich bei Fliegeralarm verkriechen konnte. Wir wurden auf den Feldern öfter von Jabos oder Leitlings angegriffen. Ein geregelter Unterricht war wegen der Häufigkeit von Fliegeralarm nicht mehr möglich und so wurde die Schule geschlossen.

Ende Januar 1945 wurde die Schule zwar noch einmal geöffnet, musste aber kurze Zeit später wieder schließen.

Die meisten Einwohner von Heisterbacherrott wohnten bis Kriegsende in den Tunneln am Limperichs Berg.

Nach dem Krieg wurde die Schule von den Aliierten als Bürgermeisteramt ausgewiesen. Bis 11.09.1945 blieb die Schule geschlossen. 

Die Einwohner von Heisterbacherrott -besonders die Kinder- litten Hunger und Not. Auch viele Flüchtlinge aus dem Osten wurden im Ort einquartiert. Noch bis 1947 waren darunter 26 schulpflichtige Kinder.

Der Ernährungszustand der Kinder war zu 13,2% „gut“, zu 25,4% „mittel“ und zu 61,4% als „schlecht“ einzustufen. Viele können sich sicher auch noch an die Zeit der Schulspeisung erinnern. 126 Kinder gingen in die Schule. Beide Klassen wurden von Frl. Altmeier unterrichtet.

Im März 1946 fand die Abstimmung über die Einrichtung einer konfessionellen Volksschule statt. 89% der wahlberechtigten Eltern stimmten für die katholische Schule.

Am 02.04.1946 begann das erste normale Schuljahr. 26 Neulinge wurden aufgenommen. Bei immer noch einer Lehrkraft erhielten die Kinder nur 2 – 3 Unterrichtsstunden täglich.

Ab Oktober 1946 übernimmt Lehrer Wimmert zusammen mit Frl. Steinke für 146 Kinder die Ausbildung. Frl. Steinke betreute das 1. – 4. Schuljahr mit 97 Kindern, für das 5. – 8. Schuljahr sowie das freiwillige 9. Schuljahr mit 49 Kindern war Lehrer Wimmert zuständig.

Hier eine Aufzeichnung aus der Schulchronik von Herrn Wimmert:
„An täglichen Bedarfsgegenständen ist so gut wie gar nichts zu erhalten. Wir haben sehr viele Versäumnisse, weil die Kinder keine Schuhe zum Anziehen haben. Manche Kinder kommen in den Schuhen ihrer Eltern. Auch in der Schule mangelt es an allem. Die Kinder haben lediglich ein Lese- und Rechenbuch, Dinge wie Schreibhefte, Tafel, Griffel, Federn sind im freien Handel nicht zu haben. Vom Schulamt in Siegburg werden den Schulen von Zeit zu Zeit nur kleinere Mengen zugeteilt. Kreide ist ein ganz rarer Artikel. An Lehrmitteln ist auch so gut wie nichts vorhanden: das einzige sind ein paar uralte, unbrauchbare Landkarten und einige kleine Anschauungsbilder von anno dazumal, die auch nicht zu gebrauchen sind. Nicht einmal ein Lineal, ein Zirkel, noch Heimatkarten sind vorhanden. Es ist unmöglich, Heimat- und Erdkunde so zu erteilen, wie es sein müsste. Das Wissen und Können der Kinder, die ein freiwilliges 9. Schuljahr machen und Ostern 1947 entlassen werden, entspricht nicht einmal den Leistungen eines normalen 5. Schuljahres in den Hauptfächern. Das sind die bösen Folgen des Krieges – die Kinder sind zu bedauern.“

Ich bin ihm heute noch dankbar, dass er uns in so kurzer Zeit die notwendigen Dinge beige-bracht hat. Ich denke hier vor allem an das Rechnen, das kleine und große 1x1, den Dreisatz, das Prozentrechnen und die Raumlehre. Wobei mir am wichtigsten erscheint, dass wir lernten und übten, logisch zu denken.

Am 01.07.1947 wurde unsere Schule dreiklassig.

1948 wurde ich mit 15 Schülern entlassen. Es wurden 21 Schüler neu eingeschult. Die Pläne für das neue Spritzenhaus und die neue Klosettanlage wurden erstellt. 17 Schüler von der unteren Wiese besuchten die Schule in Heisterbacherrott. Sie wurden vom Schulamt in die Schule nach Thomasberg eingewiesen. Sie gingen in Thomasberg aber nicht zur Schule, sondern klagten beim Regierungspräsidenten – mit Erfolg. Nach den Ferien kamen sie wieder in die Schule nach Heisterbacherrott zurück. Auch am Bau des Sportplatztes haben sich die Schulkinder beteiligt.

Im April 1949 übernimmt Lehrer Frankenberg die 2. Klasse. Der Bau der Klosettanlage wurde begonnen. Für die Finanzierung wurden Baugrundstücke im Kottsiefen zu einem Preis von 1,00 DM je qm verkauft. Selbst für diesen heute vermeintlich guten Preis hatte die Gemeinde Schwierigkeiten genügend Interessenten zu finden.

Im Dezember 1949 konnten die Plumpsklos in Gebrauch genommen werden. Baumeister Meurer war gleichzeitig Dachecker und Schreiner. Die Türen wurden aus Schalbrettern angefertigt. Im selben Jahr wurde auch der Schulanbau für den Leichenwagen erstellt.

1950 sollte für die Gemeinde das Jahr der Sparsamkeit werden - als wenn wir nicht schon immer sparsam gewesen wären. Die Kinder von der Unteren Wiese sollten erneut nach Thomasberg geschickt werden, um die 3. Lehrerstelle einzusparen. Die Miete für die Lehrerdienstwohnung wurde erhöht und trotz eines Haushaltsansatzes von 58 TDM betrug der Fehlbetrag noch 7 TDM. Zur Umschulung kam es allerdings wieder nicht, da die Gemeinde Oberpleis sich an den Kosten beteiligen wollte.

1950 wurde auch an unserer Schule die Ganzheitsmethode eingeführt. Die Kinder lernten jetzt keine Buchstaben mehr, sondern Wörter und ganze Sätze. Ich glaube dieses System hat sich nicht lange gehalten.

Bei einer Elternversammlung am 19.06.1950 kam mit Bürgermeister Rübhausen und dem Schulausschuss in der Schule das Prügelverbot des Kultusministers zur Sprache. Die Eltern forderten von den Lehrern, die Kinder körperlich zu strafen, was von den Lehrpersonen natürlich abgelehnt wurde.

1952 wurde Karl Esser 1. Schulpflegschaftsvorsitzender in Heisterbacherrott. Herr George gehörte als Vertreter der evangelischen Minderheit der Schulpflegschaft an.

Mit dem Bau der 3. Klasse über dem Feuerwehrhaus wurde 1955 begonnen, die Einweihung fand am 10.01.1956 statt. Schon 1961 wurde im Gemeinderat bekannt gegeben, dass sich die Schulkinderzahl in den Folgejahren so stark erhöhen werde, dass der Neubau eines weiteren Klassenraumes nötig werde. Während sich der Gemeinderat mit der Erweiterung befasste, kam die Mitteilung, dass in Heisterbacherrott die 4. Schulstelle einzurichten wäre. Für einen Neubau wurden die ersten Grundstücksverhandlungen mit meinem Vater Wilhelm Müller geführt. Es wurde beschlossen ein Areal von 800 qm zum Preis von 15 DM je qm hinter der alten Schule (Bergwiese) zu erwerben. Der Zuweg sollte der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig sollte mit dem Eigentümer vom Gut Fronhof (der Stadt Köln) über Grunderwerb verhandelt werden.

Für die Verhandlungen mit der Stadt Köln wurde 1963 ein Bebauungsplan für den Englischen Garten erstellt. 3 Architekten hatten sich bereit erklärt, einen Vorentwurf für die neue Volksschule zu erstellen. Da den Architekten keine Vorgaben gemacht wurden, kamen so unterschiedliche Entwürfe heraus, dass man sich entschloss, einen erfahrenen Schulbau-architekten mit der Vorplanung zu beauftragen. Mit diesem Auftrag wurde der Dipl. Architekt Schmitz aus Bad Godesberg beauftragt. Er hatte bereits 28 Schulen gebaut. Seinen kostenlosen Entwurf stellte er schon im Januar 1964 dem Gemeinderat vor.

Da das Grundstück nur von der Stenzelbergstrasse zu erreichen war, wurde mit der Kirchengemeinde und dem Kaufhaus Schonauer verhandelt, ihre Grundstücke 2,50 m in Richtung Stenzelbergstraße zu verlegen. So entstand die fußläufige Verbindung von der Ölbergstrasse. Die Restfläche Ölbergstraße / Stenzelbergstraße sollte zu einem Kinderspielplatz ausgebaut werden. Da die Gemeinde kein Geld hatte, wurde von Peter Jonas und meiner Frau Therese eine Dorfsammlung durchgeführt, um einen Zaun und einige Spielgeräte anschaffen zu können. Von der Gemeinde Niederdollendorf erhielten wir ein Kinderkarussell, das allerdings nicht mehr den Unfallvorschriften entsprach. Eisen wurde gekauft und von Karl Otto ein Klettergerüst geschweißt, welches heute noch im Gebrauch ist. Die erste Rutschbahn – gestiftet von der Baumschule Rademacher - wurde von mir gebaut. Sie entsprach ganz sicher nicht den Unfallvorschriften, aber man konnte gut darauf rutschen.
Heute könnte man sich das nicht mehr erlauben, weil bestimmt jemand käme, der sagt, er behalte sich rechtliche Schritte vor, falls etwas passiert.

1965 erhielten wir von der Stadt Köln die Zusage, ca. 7.000 qm zu erwerben. Nun begann für mich die kritische Phase für den Schulbau. In Thomasberg war gerade eine neue Schule im Bau. Die Mittelpunktschulen kamen ins Gespräch.
Die Entwicklung von Heisterbacherrott stagnierte. Die Schulbehörde davon zu überzeugen, dass wir 1 oder 2 Klassen und eine neue Toilettenanlage benötigten, war nicht schwer, aber eine Schule, wie wir sie planten, schien für Heisterbacherrott doch etwas übertrieben.
In vielen Telefonaten und Gesprächen mit Schulrat Küpper über die Entwicklung in Heisterbacherrott - wie die Bebauung auf dem Scheidt, verlängerte Stenzelbergstraße, Planung auf der Bergwiese sowie der Bebauung Fronhof - war Heisterbacherrott als Schnellzuwachsgemeinde anerkannt worden.
Mit diesen Argumenten konnte ich Herrn Küpper von der Notwendigkeit des geplanten Schulbaus überzeugen, der sich dann auch aktiv für unser Vorhaben einsetzte. Er war es dann auch, der bei der Einweihung der Stenzelbergschule den Festvortrag hielt.

Mitte 1965 erhielten wir dann die Genehmigung mit verschiedenen Auflagen. Zum Beispiel: einen Atomschutzbunker oder über dem Kellergeschoß eine 30 cm starke trümmersichere Decke zu bauen. Wir haben uns für das 2. entschieden. Die Aula sollte entfallen, denn sie würde nicht bezuschusst. Um den Schulbau nicht zu gefährden, beschlossen wir die Pläne schnellstens zu ändern.
Wenn wir die Aula später doch wie geplant gebaut haben, dann mit folgender Begründung: Man hätte ansonsten Schutzwände für die Pausengänge erstellen müssen.
Die Einsparung, die 100 TDM betragen sollte, wäre dann zum Teil wieder weg gewesen. Die Schließung vom Saale Lichtenberg wie auch jetzt wieder stand zur Diskussion.
  Die Aula sollte nach unseren Vorstellungen für viele kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung stehen, was bis heute ja auch in Zusammenarbeit mit der Schule praktiziert worden ist und auch weiterhin so sein sollte.

Mit der Stadt Köln wurde eine Besitzeinweisung ausgehandelt. Geld für den Grundstückskauf hatten wir sowieso nicht. Die Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Verwaltung klappte ausgezeichnet, wenn auch die erste Firma (Paul und Piel), die am Bau begann, nach 3 Wochen Konkurs machte. Ein wachsames Auge auf den Baufortschritt hatten auch die älteren Gemeinderatsmitglieder.

Während der Schulneubau zügig voran schritt, war die Grundstücksfrage immer noch nicht geklärt. Bei einer Ortsbesichtigung und einer Besprechung über die Bebauung Englischer Garten und Fronhofgelände bot uns der Kölner Stadtdirektor das erste Mal den gesamten Englischen Garten unter bestimmten Auflagen zum Kauf an.
Wir können heute noch dankbar sein, dass der Fronhof damals im Besitz der Stadt Köln war, die Verständnis für die Sorgen einer kleinen Gemeinde hatte. Hier im Englischen Garten sollten Schule, Parkplatz, Friedhofserweiterung und der Sportplatz untergebracht werden.
Denn der Sportplatz auf dem Stenzelberg sollte geschlossen werden.
Ermuntert durch den guten persönlichen Kontakt bin ich dann einige Male auf dem Liegenschaftsamt der Stadt Köln vorstellig geworden, um zu erreichen, dass das Kapellengelände in die Verkaufsverhandlungen mit einbezogen wurde. Ein Teilerfolg wurde mir mit folgendem Brief bestätigt: 

„Sehr geehrter …,

auf die mit Herrn Bürgermeister Müller mit dem Unterzeichneten und dem Liegenschaftsamt geführten Verhandlungen teile ich Ihnen mit, dass die Stadtverwaltung Köln vorbehaltlich der erforderlichen Genehmigungen bereit ist, die nachstehend aufgeführten Flurstücke zum Preis von 14 DM je qm zu veräußern. Bei der Bemessung des Kaufpreises ist die Stadt davon ausgegangen, dass das Grundstück insbesondere für öffentliche Belange (Schule, Parkplatz, Sportplatz, Friedhofserweiterung usw.) Verwendung finden soll. Aus diesem Grunde bitte ich um Ihr Verständnis, dass die Stadt im Kaufvertrag eine Auflage aufnehmen muss, dass die Grundstücke nur für den vorgesehenen Zweck in Anspruch genommen werden sollen. Falls Sie mit diesem Angebot einverstanden sind, bitte ich um Ihre Benachrichtigung und für den Abschluss des Kaufvertrages um Durchführung der Fortführungsvermessung. Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, beabsichtigt die Stadt, das Hofgebäude mit einigen landwirtschaftlich zu nutzenden Grundstücken (Schörfers Wiese - der heutige Burgenpark) an die Eheleute Boeven zu veräußern. Die entsprechende Ratsgenehmigung liegt bereits vor. Der Kaufvertrag wird in Kürze beurkundet. Entsprechend den mit Ihnen geführten Verhandlungen wird in den Kaufvertrag eine Auflage aufgenommen, wonach sich die Erwerber verpflichten, den Auflagen der Gemeinde zur Unterhaltung der Kapelle und des Teiches Folge zu leisten bzw. den entsprechenden Grundstücksanteil auf Aufforderung durch die Gemeinde dieser zum Eigentum zu übertragen.“

Wir konnten uns damals nicht vorstellen, einer Bebauung Weilberg zuzustimmen, wenn mitten im Ort eine Schweinezucht betrieben würde. Das Haus zerfiel immer mehr und die überlaufende Jauche lief in den Weiher. Der stolze Fronhof war im wahrsten Sinne des Wortes zum Saustall geworden.
Nach weiteren Verhandlungen mit der Stadt Köln (ich kannte mich auf dem Liegenschaftsamt bald besser aus) gelang es mir, die Herren davon zu überzeugen, das Kapellengelände einschließlich Weg und Ausfahrt auf die Landstraße zu einem für uns tragbaren Preis an die Gemeinde zu verkaufen und den Verkauf Fronhofgebäude zurück zu stellen.
Wir sagten der Stadt Köln zu, sie bei der Verwertung des Weilberggeländes zu unterstützen, wenn die Bebauung unseren Wünschen und Vorstellungen entsprechen würde.
Wir waren damals der Meinung – ich bin es auch heute noch – selbst, wenn ein Teil des Weilberggeländes bebaut würde, wäre Heisterbacherrott mit den beiden Kirchenzentren, Schule, Bürgerpark mit Kapelle und einem schönen Fronhofgebäude mitten im Ort eine der schönsten Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises.


Und so war der folgende Brief einer der schönsten, den ich in meiner Amtszeit erhielt:

„Sehr geehrter Herr Müller,

mit der Bitte auch Ihrerseits dafür Sorge zu tragen, dass bald eine Entscheidung herbeigeführt wird und der Vertrag beurkundet werden kann, so kann ich nach Rücksprache mit Herrn Bürgermeister Müller mitteilen, dass die Stadt bereit ist, Ihnen den sog. Englischen Garten in einer Größe von ca. 31.216 qm zum Preis von 14 DM je qm zu übertragen. Auf Wunsch der Gemeinde Heisterbacherrott bin ich bereit, den Verkauf des dem Hofgut benachbarten Grundstückteils an einen Privatinteressenten zurückzustellen. Dieses Grundstück (Kapelle und Teich) soll der Gemeinde gleichzeitig mit der Übertragung des Englischen Gartens zum Preis von 5 DM je qm übertragen werden, insbesondere unter Berücksichtigung der künftigen Verwendung als öffentliches Grün und Erholungsanlage. Es bestehen keine Bedenken, wenn Ihnen bzw. der Gemeinde schon vorzeitig der Besitz an den ihnen zu übertragenden Grundstücken eingeräumt wird.“

Jetzt erst konnten wir die Gründstücksverhandlungen mit der evangelischen Kirche durchführen, wobei eine fußläufige Verbindung vom Parkplatz geschaffen wurde. So schließt sich der Kreis der Grundstücke um die Stenzelbergschule und Kindergarten.

Noch während des Schulbaus kam die Einführung des 9. Pflichtschuljahres. Dank guter Zusammenarbeit der Räte aus Oberpleis und Heisterbacherrott, der Schulleiter und der Schulpflegschaften, fiel die Entscheidung für die 9. Klasse einstimmig zugunsten von Thomasberg. Auf freiwilliger Basis wurden dann Überlegungen angestellt, an beiden Schulen reine Jahrgangsklassen einzurichten. Das war gar nicht so einfach, wie sich das heute anhört. Thomasberg gehörte zur Gemeinde Oberpleis, die Gemeinde Heisterbacherrott wurde vom Amt Oberkassel verwaltet. Satzungen mussten erstellt und Schulbezirksgrenzen geändert werden. Heute kann man sagen, die Vernunft hat sich durchgesetzt.

Nach den Sommerferien 1967 konnte die neue Schule in Betrieb genommen werden. Die ersten Schulneulinge wurden aufgenommen. Doch was ist eine neue Schule ohne Namen.
Es wurden 3 Vorschläge eingereicht: Stenzelbergschule, Siebengebirgsschule sowie Cäsariusschule. Nach lebhafter Aussprache wurde entschieden, wobei mir folgende Argumente wichtig erschienen. Siebengebirgsschule konnten sich viele Schulen rund um das Siebengebirge nennen. Auf den Namen Cäsariusschule konnten zumindest die Dollendorfer Anspruch erheben. Aber Stenzelbergschule am Fuße des Stenzelbergs war einmalig für eine „Einmalige Schule“. Ich denke die Mehrheit hat sich – wenn auch knapp – richtig entschieden: 7 Stimmen für die Stenzelbergschule und 6 für die Siebengebirgsschule.

Einen Namen hatte die Schule jetzt. Damit war aber noch immer nicht geklärt, ob sie auch weiterhin als katholische Volksschule geführt werden sollte. Nach der Zusammenlegung der beiden Grundschulen musste nach dem Gesetz zur Ordnung des Schulwesens ein Bestimmungsverfahren durchgeführt werden. Daraus entbrannte ein kleiner Streit, der - Gott sei Dank - heute beigelegt ist. Das Abstimmungsergebnis war eindeutig: 2/3 der Stimmberechtigten waren für eine Gemeinschaftsschule.

Wenn ich heute zurück blicke, so frage ich mich, ob wir immer nach dem Satz gehandelt haben:
„Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung für die Zukunft geben fürs Leben die rechte Haltung“.

Haben wir alle Neubürger in Heisterbacherrott und Thomasberg in das Gemeindeleben mit eingebunden? Viele von ihnen sind es und beteiligen sich aktiv am Vereinsleben. Aber muss sich nicht auch manch einer fragen, genügt es, auf einer Bürgerversammlung zu sagen, jetzt wohne ich hier und mit der weiteren Bebauung ist Schluss, ohne sich auch nur im geringsten für das kulturelle Leben in den Orten zu interessieren?
Könnte man sich nicht auch fragen: Wie kann ich mich bei einem Verein aktiv beteiligen oder zumindest einen inaktiv finanziell unterstützen?

Ich wünsche mir jedenfalls für die Zukunft noch mehr Zusammenarbeit.

Ich wünsche den Lehrern ein gutes Verständnis von Rat und Verwaltung für die Probleme der Stenzelbergschule.

Ich wünsche den Kindern gute Lehrer und Erzieher, denn sie wissen ja, Unterrichten ist leichter als Erziehen. Zum Unterrichten braucht man nur etwas zu wissen und es mitteilen können, zur Erziehung muss man etwas sein.

Ich wünsche der Stenzelbergschule so gute Hausmeister wie bisher, damit sie auch weiterhin die schönste Grundschule des Rhein-Sieg-Kreises bleibt
und schließe mit dem Satz:

„Wenn auch die Welt fortschreitet, die Jugend muss immer wieder von vorne anfangen und dazu bietet diese Schule die besten Voraussetzungen“.