Schriften zum virtuellen Museum

Entwicklung der KFD in Heisterbacherrott

fahne_kfdEntstehung
Die Gründung von katholischen Müttervereinen und deren Anschluss an die Erzsodalität christlicher Mütter in Regensburg geht auf den Glaubenskampf in der Zeit von1815 bis 1890 zurück. Seit dem Wiener Kongress 1815, auf dem die preußische Rheinprovinz errichtet wurde, kam es zu Schwierigkeiten zwischen dem protestantischen Preußen und dem katholischen Rheinland. Durch Gegensätze in Fragen zur Trennung von Kirche und Staat, Schul- und Ausbildungsfragen sowie die Gültigkeit konfessionell gemischter Ehen spitzte sich die Lage in der Folgezeit immer mehr zu. Nach der Gründung des deutschen Reiches strebte Bismarck die Vollendung der inneren Reichseinheit in der Form eines autoritären und bürokratischen Zentralstaates an. Durch Gesetzgebungen 1872, dem „Kanzlerparagraph, Schulaufsichtsgesetz 1871“ und schließlich durch das Maigesetz 1873 / 74 wurde die geistige Ausbildung und kirchliche Disziplingewalt unter staatliche Kontrolle gestellt. Es kam zu Behinderungen amtskirchlicher Tätigkeiten und zu Schließungen kirchlicher Seminare.
Offensichtlich wurden diese staatlichen Auflagen und Beeinträchtigungen jedoch unterlaufen durch private Vereine, die der kirchlichen Hierarchie beigestellt wurden.
Zur Abwehr der Gefahren, die die christliche Erziehung der Kinder bedrohten, schlossen sich viele katholische Mütter von Regensburg zu einem christlichen Mütterverein zusammen. 1868 wurden sie der gleichnamigen Pariser Erzsodalität angeschlossen, die auch andere gleichartige Vereine von hier verwalteten. Der deutsch-französische Krieg 1870/ 71 und seine Folgen sowie die Schwierigkeiten der Verwaltung von hier aus legten die Gründung einer Erzsodalität in Regensburg nahe, die auch dann auf Bitten von Bischof Ignatius durch päpstliches Privileg errichtet wurde.

1868 kam offensichtlich auch hier der Gedanke zur Einführung einer Bruderschaft auf, aber auch bei einem weiteren Anlauf konnte man sich nicht einigen.
In einem Schreiben vom 4. Februar 1868 von Pfarrer und Divinator Gottfried Simar an den hiesigen Rektor Franken heißt es „....... ersuchen eine andere Bruderschaft zur Einführung in Vorschlag zu bringen.“
In einem späteren Schreiben vom 4. November 1868 zur Gründung einer Bruderschaft heißt es u.a.:
.......die Einführung der Bruderschaft von der Christlichen Lehre in der Kapelle zu Heisterbacherrott betreffend vermögen wir nicht zu entsprechen, indem dieselbe Bruderschaft in zwei Kirchen, welche nicht eine starke Stunde von einander entfernt sind, nicht verrichtet werden kann........
Es sollte noch einige Jahre dauern, bis dann endlich ein christlicher Verein,  zwar keine Bruderschaft, dafür aber ein Verein christlicher Mütter entstand. Die Regeln aber entsprachen der einer Bruderschaft.
In einem Schreiben vom 21. Juli 1880 teilt Rektor Martin Franken der „Hochlöblichen Erzsodalität in Regensburg “ mit, „......in Heisterbacherrott Filiale von Niederdollendorf ist mit Getuhe des zeitigen Pfarrers von Niederdollendorf ein Verein christlicher Mütter unter der Leitung des zeitigen Rektors Martin Franken ins Leben getreten.“
Am 19. August 1880 wird dann der Pfarrei in Niederdollendorf mitgeteilt, dass die vorliegenden Spezialstatuten der Verein Christlicher Mütter in Heisterbacherrott Erzdiözese Köln in der Hauptsache mit den gleichen Ritualen der hiesigen Erzbruderschaft übereinstimmen. Weiter heißt es:
„Vorstehende Statuten wird hierdurch die oberhirtliche Genehmigung erteilt.
Köln den 12. Februar 1886“

Da nach der Gründung bis zum Kriegsende hier keine Aufzeichnungen mehr auffindbar sind, kann man davon ausgehen, dass ähnlich wie beim Kirchenchor alle schriftlichen Unterlagen im Saale von Christian Lehmacher gelagert und durch eine Brandbombe Ende des Krieges oder durch die NS-Herrschaft vernichtet worden sind.

Neubeginn:
Die Chronik beginnt mit dem 25.09.1952, dem Tage, an dem Frauen von Heisterbacherrott zum 1. Mal in der Volksschule wieder zusammen kamen, um die Gemeinschaft Kath. Frauen und Mütter neu zu gründen. In der Chronik heißt es hier:“..... alle Bänke und Plätze waren besetzt, so viele Frauen und Mütter hatten sich eingefunden“.

Unter Leitung des damaligen amtierenden Pastors Rudolf Müller wurden alle notwendigen Formalitäten besprochen, ein Vorstand gewählt und die Aufnahmefeier in der Kirche auf den 12. Oktober 1952 festgelegt.

Gewählt wurden als erste Vorsitzende Frau Frankenberg und Frau Egert als Schriftführerin.
Sie führte auch das Kassenbuch. Der Beitrag betrug monatlich 10 Pfennig.
Frau Weiss, Frau Grete Henseler, Frau Schlöder und Frau Henseler sind als Bezirksleiterinnen gewählt worden. Heute heißt es schlicht Mitarbeiterinnen.

Über die Aufnahmefeier schreibt die damalige Chronistin weiter: „ ....150 Frauen und Mütter kamen um 15.00 Uhr zu einer Andacht in die Kirche“ . ( Das Dorf hatte in diesen Jahren insgesamt ca. 600 bis 700 Einwohner.) Selbstverständlich waren auch Ehrengäste anwesend. Nach der kirchlichen Feier fand man sich im Saal Lichtenberg zu einem frohen Beisammensein ein, um die Neugründung zu feiern. Die Neugründung lief unter der Bezeichnung Kath. Frauen- und Müttergemeinschaft.

Von Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre wurden von dem Mütter- und Paramentenverein - wie die Frauengemeinschaft oftmals hier in der Dorfumgangssprache benannt wurde -, die Priester- und Messdienergewänder sowie die Altartücher in Ordnung gehalten.

In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre erfolgte eine Umbenennung in Kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschland.)

Das erste Stiftungsfest am 11. Oktober 1953 war mit einer Theateraufführung verbunden.

Vorstände:

Vorsitzende:

Frau Inge Frankenberg

1952 – 1955

 

Frau Margarete Henseler

1955 – 1978

 

Frau Inge Kossmann

1978 – 1980

 

Frau Liesel Deggendorfer

1981 – 1986

 

Frau Marlies Steffes

1986 – 1987

 

Frau Hiltrud Görres

1987 – 2006

 

Frau Lydia Klehr

2006 - 



Karneval:
Nach dem Kriege wurden viele Jahre lang vom Sportverein am Karnevalssonntag die Nachmittagsveranstaltung unter dem Begriff „ Kaffeklatsch der Frauen“ durchgeführt. Auf Weiberfastnacht selbst trafen sich die Frauen in der Pension Haus Thomas, dem jetzigen Kinderhaus am Pützbungert und in der Gastwirtschaft „ Krug zum grünen Kranze.“ Durch Besuche zu Karnevalsveranstaltungen auf Weiberfastnacht in benachbarten Orten kam man auf den Gedanken, 1977 selbst eine Karnevalsveranstaltung abzuhalten. Seit dieser Zeit führt die Frauengemeinschaft jedes Jahr mit Erfolg auf Weiberfastnacht ihre Sitzungen unter der Leitung von Rosemarie Münz und später von Christel Goldschmidt durch.

Basare:
Im Jahr 1979 veranstaltete die Frauengemeinschaft zum ersten Mal einen Adventsbasar zu Gunsten der Schwester Domitilla aus Oberdollendorf, die für Indien tätig war. 1980 ging der Reinerlös ebenso nach Indien. In den Jahren 1982 bis 1986 ging der Reinerlös an die Schule für Körperbehinderte und 1987 an eine Sonderschule für geistig behinderte Kinder in Köln. Insgesamt konnten so 28.466,00 Euro ( 55.676,00 DM ) an soziale Einrichtungen übergeben werden.
Ab 1988 ging der Basar in die Hände eines Missionsarbeitskreises für BURUNDI über. Die Frauengemeinschaft ist hieran nur noch in einem Teilbereich, wie Gestecke, Kränze und der Cafeteria beteiligt.

Veranstaltungen:
Gefragt ist die Mitarbeit der Frauengemeinschaft von jeher auch bei allen weltlichen Veranstaltungen, besonders wenn  es um das leibliche Wohl geht.

Auch führt die Frauengemeinschaft selbstständige Veranstaltungen durch wie Kochkurse, erste Hilfe Kurse, Selbstsicherheitskurse für Kinder usw.
Im kirchlichen Bereich liegt ihr Wirken bei Veranstaltungen wie Erntedankfeste, Wallfahrten, Messvorbereitungen, Gebetsandachten und Besinnungsnachmittage. 

Text: Hiltrud und Winfried Görres